GESCHICHTE   DER   HUNDERASSE

  Der Große Schweizer Sennenhund (GSS) gilt als die älteste Schweizer Hunderassen, deren Ursprung bisher nicht eindeutig geklärt ist, und . Über die Entstehung dieser Rasse gibt es viele Theorien. Eine von ihnen, die u.a. von Keller, Kamer und von Hagen verbreitet wird, besagt, dass der große Schweizer Sennenhund auf den großen Molosser zurückgeht, einen großen Tibbet-Doggen – der die Römer während ihrer Invasion in die Alpen im 1. Jh. v.Ch. begleitet hat.
  Eine andere Theorie besagt, dass Phönizier eine Großhundrasse nach Spanien ca. 1100 Jahre v.Ch. gebracht haben. Die Hunde gelangten dann nach Westen und beeinflussten den Mastin in Pyrenäen – den Vorfahren der Rasse.
  Manche Schweizer Kynologen und Hunderassenkenner, z.B. Hans Räber, betonen, dass die Schweiz als Durchgangsland die Heimat eines Grenzvolkes ist, das keinem anderem der ehemaligen europäischen Volkstämme zugeschrieben werden kann. Dieses Schema gilt auch für Sennenhunde. Sie sind aus einer Mischung von Bauernhunden und Hunden von Eroberern und durchziehenden Völkern entstanden. Seit ca. 1515 – seit Ende der Meißener Züge bis zu Napoleonischen Zügen blieben die Schweizer Bergtäler von den Einflüssen der historischen Weltumwandlungen isoliert, was sich auch auf die hiesige Hunderasse auswirkte. Die primitive Zuchtwahl, Verwandschaftszucht und Abgabe der Welpen an Nachbarn, Familie haben die Entstehung bestimmter Lokalschläge zur Folge.

 

 

 

Frans the Younger Pourbus
Portrait of Claude de Lorrain

Karel Dujardin
Woman Milking a Red Cow

Cornelis Dusart
Village Feast

 

 

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GESCHICHTE VON GSS IN EUROPA

  Die frühen Vorfahren von GSS wurden von Bauern, Viehzüchtern und Händlern in Zentraleuropa verwendet. Die selektive Zucht basierte vor allem auf den Fähigkeiten des Hundes zur Erfüllung bestimmter Funktionen, wie z.B. Ziehen von beladenen Wagen oder Bewachung. Aus diesem Grund bekam diese Gruppe der Zuchthunde eine entsprechende Bezeichnung – Viehhunde.
  Im XVIII. und XIX. Jh. war in ganz Europa der große Metzger- oder Fleischerhund (Canis familiaris laniarius) verbreitet, mit charakteristischem Stockhaar und ähnlicher Farbe. Meistens waren die Metzgerhunde braun, gelb oder schwarz mit weißen und braunen Abzeichen.
  Im XIX. Jh. sind sie als Bauern-, Metzger- und Käserhunde sehr populär geworden und bekamen damals die Bezeichnung „das Pferd der Armen”. Die schweizerischen Bauern und Händler aus kleinen Dörfern verwendeten sie für jede Tätigkeit. Die aus den kleinen landwirtschaftlichen Regionen stammende Rassen zeichnen sich durch Vielseitigkeit aus, weil sie sich früher, um ihr Lebensbrot zu verdienen, in verschiedenen Funktionen bewähren mussten. Sie galten nicht nur als Zug-, Wachhunde und Helfer sondern auch als Gefährten. Diese geduldigen und gutmütigen Hunde waren auch Kinderhüter. Damals waren es große, gut bemuskelte Hunde mit bunten Abzeichen, obwohl schon zu dieser Zeit Schwarz mit weißen und roten Abzeichen dominierte. Nach Heim und Schertenleib wurden gerade diese Hunde in ganzem Schweizer Mittelland am meisten populär, besonders in Jahren 1860-1870. Um die Wende von XIX. und XX. Jh. ist ihre Anzahl drastisch gesunken. Bis heute blieb es unklar, wie dazu gekommen ist. Dreißig Jahre scheinen nicht lang genug zu sein, um zum Aussterben der Rasse zu führen. Heim behauptet, dass die um 1900 gehaltenen Hunde überwiegend Mischlinge waren. Zum Rückgang der Anzahl von Großen Schweizer Sennenhunden trugen einige Faktoren bei. Erstens war es die wachsende Zugänglichkeit von mechanisiertem Transport, der eine konkurrenzlose Alternative für den traditionellen Gebrauch der Schweizer als Zuchthunde darstellte. Zweitens waren Bauern – die damaligen Hundebesitzer – keine professionellen Züchter und legten Wert nicht auf die Reinheit der Rasse, sondern darauf, dass die Hunde ihre Arbeit richtig ausführen. Darüber hinaus begann um 1840 der Zustrom von deutschen, englischen und anderen Hunderassen in die Schweiz. Vorwiegend waren es Deutscher Schäferhund, Rottweiler, Schnauzer und gelegentlich die Schäferhunde aus dem Balkan und Ungarn sowie die englischen Terrier. In die Schweiz kam auch eine Unmenge verschiedener Mischlinge, die angeblich wegen der Erneuerung der Rasse mit anderen, alten, einheimischen Rassen gekreuzt wurden. So kam es also dazu, dass die überwiegende Zahl von Hunden die Mischlinge bildeten.

 

Beethoven  vom Winterbührner Wäldchen

 

 

Berner
Sennenhund

Grosser Schweizer
Sennenhund

Merlot von der Erftquelle Deister

 

 

Appenzeller

Entlebucher

Aus diesen Gründen blieben in kurzer Zeit nur Appenzeller, Entlebucher, Große Schweizer und Berner Sennenhunde in kleiner Anzahl in den weitentfernten Bergtälern erhalten. Nicht ohne Bedeutung war die Tatsache, dass in der zweiten Hälfte von XIX. Jh. die große Popularität der Bernhardiner gewann. Die mischerbigen dreifarbigen Hunde machten Platz den rotbraun-weißen, die besser für die Farbzucht geeignet waren. Aufgrund der Farbe wurden oft solche Hunde von einem Tag auf den anderen zum Bernhardiner, und einige solche „Bernhardiner“ wurden von den Engländern auf dem Berner Markt gekauft. Rotbraun-weiße Art vom Bauernhund musste früher sehr verbreitet sein, denn bis heute funktioniert die Redensart „mehr gibt es sogar rote/gelbe Hunde nicht“. Albert Heim- der berühmte Schweizer Kynologe und Liebhaber der Schweizer Sennenhunde, sah viele schweizerische Rassen, die vom Typ her, der genannten Rasse entsprachen, jedoch von der Farbe abwichen. Dank der Dominanz der schwarzen Farbe über der gelben oder rotbraunen könnte man relativ schnell den dreifarbigen Nachwuchs züchten, obwohl man nur einen Rüden hatte. Warum kam es jedoch nicht dazu? Trotzdem leistete Heim einen besonderen Beitrag zur Bestimmung der führenden Zuchtziele und zusammen mit Schertenleib bewies er, dass man aus einer Mischung von Bauern- und Metzgerhunden die jeweiligen Rassen züchten kann.

 

 

 

 

die Fotos aus "Natural History Museum of Bern"

 

 

BEITRAG VON ALBERT HEIM und FRANZ SCHERTENLEIB ZUR ENTWICKLUNG DER RASSE UND GRÜNDUNG DER ZUCHT

  Der Züchter Franz Schertenleib aus Rothöhe bei Burgdorf, kaufte im Jahre 1908 in Schönentannen, wie er damals dachte einen starken, aber kurzhaarigen dreijährigen Berner Sennenhund. Er kam zum Entschluss, den Hund bei der nächsten Ausstellung in Langenthal einem Richter zu zeigen.
  Schertenleib betrieb in Rothöhe ein Kurhaus und den Bauernhof, er hatte einige Dutzend Hühnerrassen, er züchtete Schweine und Kühe, war aber auch ein großer Liebhaber von Schweizer Sennenhunden. Er besaß gerade Berner Sennenhunde, die trotz ihrer Größe keineswegs die Kurgäste gefährdeten.
  Im September 1908, auf der Hundeausstellung in Langenthal, die zum 25-Jubiläum der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft stattgefunden hat, wurde sein Hund als „kurzhaariger Berner Sennenhund“ ausgestellt. Unter den Veranstaltern und Richtern war Professor Albert Heim aus Zürich, ein Forscher und Kenner auf dem Gebiet der Kynologie vorwiegend der schweizer Rassen. Er erkannte in dem Hund einen Großen Schweizer Sennenhund, und forderte seine Anerkennung als eigenständige Rasse. Dank seinem Engagement hat Schweizerische Kynologische Gesellschaft den Großen Schweizer Sennenhund ins Schweizerische Hundestammbuch (SHSB) eingetragen.
  Der auf der Hundeausstellung in Langenthal gezeigte Hund hieß „Bello”, und hatte 67 cm Widerristhöhe, einen schönen, kräftigen Körper und tolle Farbe mit symmetrischen Abzeichen. Schertenleib fand ihn in Schönentannen auf dem Weg von Schwarzenburg nach Gurnigel. Wäre Bello in seiner Rassengruppe angemeldet (damals existierte sie jedoch nicht), hätte er von Heim den ersten Platz bekommen. Da er aber als Berner Sennenhund angemeldet war, musste er sich mit zweitem platz zufrieden geben. Dieser im Jahre 1905 geborener Hund wurde im Schweizerischen Hundestammbuch als „Bello von Schlossgut“ unter der Nummer 3965 eingetragen und sein Besitzer wurde Jacob aus Wohlen bei Bern. Nach der Ausstellung in Langenthal, fand Schertenleib, in der Nähe von Dürrbach, einen Hund Namens „Barry”, den er in Langenthal im Jahre 1909 ausstellte. Der Hund schien ziemlich unbeholfen zu sein, war sehr kräftig, mit der Widerristhöhe von 65 cm, einer relativ kurzen Rute, in harmonischer Fortsetzung der Kruppe angesetzt. Er hatte stämmige Glieder, auf denen sich höher als bei Bello weiße Abzeichen befanden und hatte im allgemeinen etwas verwaschene Abzeichen. Sein Besitzer wurde später Otto Imhof aus Herzogenbuchsee – der Inhaber vom Wirtshaus „Zur Sonne”, und der Hund bekam den angemessenen Beinamen „Barry von Herzogenbuchsee” und die SHSB-Nummer (4520). Schertenleib fand auch eine Hündin mit dem Namen „Bellina“, die er dem Johann Jaussi aus Olten abgegeben hat.
  Zu den ersten Vertretern der Rasse gehört auch im November 1907 geborener „Nero“, eingetragen unter der Nummer (3966), „Mars (Staub) von Schlossgut” geb. in März 1908, eingetragen unter der Nummer (4521) und im März 1908 geborene Hündin „Flora von Schlossgut” die vom Schertenleib selbst gezüchtet wurde. Die ersten im Schweizerischen Hundestammbuch eingetragenen Hunde waren „Bello von Schlossgut”(3965) und „Nero von Schlossgut”(3966), aufgrund der fehlenden Hündinnen dieser Rasse kann angenommen werden, dass der eigentliche Rassengründer „Barry von Herzogenbuchsee” (4520) war. Nach dem er „Anni von Schlossgut”- nicht in SHSB eingetragene Hündin und „Flora von Schlossgut” gedeckt hat, kamen „Hektor von Born”(5640) und „Belline von Herzogenbuchsee”(5645) zur Welt. Aus dieser Zuchtlinie entwickelte sich die Zucht der reinen Rasse.

 

Bello von Schlossgut

Barry von Herzogenbuchsee

die Fotos aus "Encyklopedia Psów Rasowych" - Hans Räber

Nero (Maurer)

 

Bis 1936 wurden ins Schweizerische Hundestammbuch viele Hunde ohne genauere Daten über ihre Abstammung eingetragen. So kamen in den Würfen Welpen mit den Merkmalen von Berner Sennenhund, Bernhardiner oder Leonberger vor. Von 21 solcher Hunde, die bei den schweizerischen Bauern und Züchtern aufgefunden wurden und die nach ihrem Aussehen der Rasse zugeordnet wurden, nur sieben lassen sich in den Stammbäumen von heutigen Vertretern der Rasse feststellen. Den höheren Zuchtwert stellten anfangs die Rüden dar; die Hündinnen waren meistens zu klein und zu schwach, da sie in vielen Fällen die Kreuzung von Berner und Appenzeller Sennenhund waren. Das allgemeine Erscheinungsbild der ersten Großen Schweizer Sennenhunde wich von dem heutigen Standard ab. Der Mantel war damals nicht so tief schwarz, die Unterwolle war gelb, die Abzeichen hellgelb und nicht rot-braun und der Schädel ähnelte dem Bernhardiner-Schädel, mit deutlichem Stop und war viel breiter als bei jetzigem Standard. Die Abzeichen waren damals nicht so symmetrisch, wie es heute erwartet wird.

 

 

 

die Fotos aus "Natural History Museum of Bern"

 

 

ENTWICKLUNG DER RASSE IN XX. JH. IN EUROPA UND IN DEN VEREINIGTEN STAATEN.

  In frühen Jahren des XX. Jh. wuchs die Population von Großem Schweizer Sennenhund sehr langsam und er blieb bis heute eine seltene Rasse sowohl in den USA, als auch in der einheimischen Schweiz. Erst seit 1933 wurden jährlich ca. 50 Hunde ins Schweizerische Hundestammbuch eingetragen. Im Februar 1939 veröffentlichte FCI zum ersten Mal den Rassenstandard.
  Während des II. Weltkriegs wurden die Hunde von der Schweizer Armee verwendet und 1945 schätzte man ihre Anzahl auf 350- 400 Hunde ein. Die Armee verwendete sie zum Transport der Versorgung, da sie sich als bessere Zugtiere als Pferde erwiesen haben. Sie kamen besser mit den Unebenheiten zurecht und zeichneten sich durch höhere Widerstandsfähigkeit und freundlicheren Wesen als andere Hunde aus.
  1967 sahen Frederick und Patrizia Hoffman einen Großen Schweizer Sennenhund auf der Hundeausstellung in Frankfurt. 1968 führten Hoffmans mit Hilfe von Perin G. Rademacher eine Hündin in die USA ein. Seit dieser Zeit begann die Formung von Großem Schweizer Sennenhund von Club of America. Der Klub förderte eine vorsichtige Zuchtselektion, damit die Popularität der Rasse langsam steigt. 1983 waren im Klub 257 Hunde registriert. 1985 wurde die Rasse im American Kennel Club eingetragen und im Jahre 1992 hatte GSS in Amerika seinen eigenen Standard. Im Juli 1995 wurde der Große Schweizer Sennenhund von American Kennel Club der Gruppe der Arbeitshunde zugeordnet.

 

 

 

die Fotos aus "Natural History Museum of Bern"

 

 

GESCHICHTE VON GROSSEM SCHWEIZER SENNENHUND IN POLEN

Die ersten Hunde dieser Rasse tauchten in Polen in sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die erste Hündin führte Marta Gutowska aus der Schweiz nach Rzeszów ein. Ihre geschulte „Schweizerin” (Honda) wurde als Lawinenhund in der Bergrettung eingesetzt. In die erste Zucht kam auch eine als Österreich stammende Hündin. Die zweite Zucht begann mit ihrer Tochter, die Piotr Lucerski aus Wroc³aw kaufte. Später zog er nach Jelenia Góra und arbeitete mit dem Freiwilligen Bergrettungsdienst zusammen. Er fuhr mit seiner Hündin, unter anderem zu den Rettungsaktionen nach Frankreich, wo er dank der dortigen Beziehungen einen geeigneten Deckrüden für sie fand. Aus diesem Decken kamen vier Welpen zur Welt. Einen weiteren Zuchtbetrieb gründeten Z³otowscy aus Bydgoszcz, indem eine von ihnen aus Deutschland gebrachte und von dem Lucerskis Hund gedeckte Hündin, 7 Welpen zur Welt brachte. Hunde aus dieser Zuchtlinie kamen unter anderem in die Slowakei und heutzutage sind ihre Nachkommen wieder in Polen erschienen. In den ersten polnischen Zuchtbetrieben, gab es neben den wertvollen Hunden auch einige mit Fehlern, wie z.B. zu schlanker Körperbau, zu viele weiße Abzeichen, sog. blaue Farbe und Rückbiss. Die geeignete Zuchtwahl trug aber zur richtigen Entwicklung der Rasse in weiteren Generationen bei. Der am längsten in Polen existierende Zuchtbetrieb ist „Refugium“ von Barbara Wierzbicka aus Warschau. Die erste Hündin kam hier 1982 aus Dänemark, und den heutigen Kern der Zucht stellen der schweizerische Hund Leonidas zum Ringo dem Grossen und Hündin Lava Refugium dar. Der Zuchtbetrieb „Refugium“ hat sich nur auf eine Rasse spezialisiert. Heutzutage sind die Großen Schweizer Sennenhunde in Polen nur in einigen Zuchtbetrieben erhältlich.

 

 

Marta Gutowska mit Jawa

das Foto aus "Czworono¿ni ratownicy"